Vom Notizbuch auf die Schiene (Teil 4/8)

Von der Idee zum Konzept mit KI. Wie das Konzept Studio entstand, und was der Lok-Buddy damit zu tun hat.

Ich habe ein kleines analoges Notizbuch, in das ich Ideen schreibe. Es sind verschiedenste Ideen. Manche haben mit der Arbeit zu tun, andere mit der Freizeit. Sie entstehen durch Diskussionen, durch Podcasts oder Dokumentationen. Meistens entwickeln sich die Ideen aus einem Problem, das ich einige Stunden oder Tage mit mir rumtrage und über das ich immer wieder nachdenke. Die Lösungsansätze kommen dann plötzlich. Manchmal beim Einschlafen, manchmal im Garten, beim Kochen, beim Radfahren. Wenn die Idee da ist, kommt sie als Stichwort oder als kleine Skizze aufs Whiteboard oder direkt ins kleine Notizbuch.

Das Konzept Studio

Das Konzept Studio ist mein erster Agent, ich habe ihn im letzten Beitrag kurz vorgestellt. Seine Aufgabe: Ideen visualisieren und für andere greifbar machen. In diesen Agenten habe ich viel Zeit investiert. Nicht ins Bedienen, sondern ins Bauen.

Der Agent „hört“ sich die Idee an und erarbeitet dann selbständig einen Vorschlag. Diesen Vorschlag präsentiert er und arbeitet ihn gemeinsam mit dem Nutzer weiter aus. Auch für das Farbkonzept, für die Texte und für den roten Faden durch das ganze Konzept macht der Agent Vorschläge.

Diese Vorschläge kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Resultat meiner jahrelangen Erfahrung im Erstellen von Konzepten. Ich habe dem Agenten diese Erfahrung mitgegeben, ihm gute Beispiele gezeigt und für spezifische Arbeiten Skills programmiert, die er ausführen kann. Ich muss ihm zum Beispiel nicht mehr beschreiben, wie eine Konzeptseite aufgebaut sein soll, oder wie Spezifikationen dargestellt werden sollen. Das weiss er, weil ich es ihm einmal sauber beigebracht habe. Als Resultat erstellt der Agent eine HTML Landingpage die das Konzept mit vielen Bildern von A-Z erklärt.

Abbildung 1: Der Agent „Konzept Studio“ erarbeitet Konzepte gemeinsam mit dem Nutzer 😉

Was mir noch fehlte, war ein konkreter Testfall. Also habe ich in meinem Notizbuch geblättert.

Ein Testfall: der Lok-Buddy

Hängen geblieben bin ich bei einer Idee, die dort schon eine Weile stand. Sie ist langsam entstanden: Ich habe einen Freund, der bei der SBB in der Infrastruktur arbeitet und Gleisinspektionen macht. Mit ihm habe ich manchmal über seine Arbeit gesprochen, über die Herausforderungen und über Geräte und Sensorik, die heute eingesetzt werden. Zudem habe ich an der HSLU in einem Projekt mitgearbeitet, bei dem es um die Unkrautbeseitigung im Gleisbereich ging. Dort habe ich einiges über Sicherheit und die Herausforderungen mit Fahrzeugen im Gleisbereich gelernt. Ich habe mit Leuten aus der Stadt- und Mobilitätsplanung über autonomes Fahren gesprochen und bei einer Studie der SBB mitgemacht, in der Zukunftsgeschichten über Mobilität im Jahr 2035 erfunden wurden. Und immer wieder liest man von Zwischenfällen mit Personen, Tieren oder Gegenständen auf den Gleisen.

Aus all dem entstand irgendwann folgende Idee: ein kleines, autonomes Bahnfahrzeug, das jedem Zug vorausfährt und den Bremsweg überwacht. Der Lok-Buddy. Es gab eigentlich keinen Grund, weiter darüber nachzudenken. Ich baue ja keine Bahnfahrzeuge. Aber als Testfall für das Konzept Studio war die Idee perfekt. Ein Versuch wars wert.

Eine Skizze und zwei Stunden diskutieren

Angefangen habe ich mit einer Handskizze. Die habe ich dem Konzept Studio gegeben und wir haben darüber gechattet, was darauf zu sehen ist. Rund zwei Stunden haben wir über die Idee diskutiert. Wie schnell muss das Ding sein, was muss es können, welche Probleme gibt es und wie löst man sie. Geschwindigkeiten, Energieverbrauch, Sensoren, Kameras, Warnsignale, Bremsweg, Kommunikation. Ein Braindump zu zweit, wenn man so will. Dabei hat mir das Konzept Studio immer wieder neue Fragen gestellt, die das Fahrzeug nach und nach konkretisiert haben.

Abbildung 2: Skizzen, Notizen und Ideen als Diskussionsgrundlage

Das Entscheidende dabei: Das Konzept entstand live, während dem Gespräch. Nach den zwei Stunden war die Idee durchdacht, mit vielen Zahlen und Antworten auf Fragen, die ich mir allein nie gestellt hätte.

Und noch etwas passierte während dieser zwei Stunden: Immer, wenn mir am Agenten etwas nicht passte, habe ich ihn direkt verbessert. Eine Richtlinie geschärft, einen Skill ergänzt, ein Beispiel nachgeliefert. Der Lok-Buddy trieb den Agenten voran, und umgekehrt.

Der rote Faden

Danach haben wir aus dem Braindump gemeinsam eine Story gebaut. Vom Problem über die Lösung bis zum Fazit, in einer Form, die man jemandem erzählen kann, der noch nie davon gehört hat. Das dauerte nochmal etwa eine Stunde. Nachdem ich das OK gegeben hatte, ging es an die Bilder.

Das Hero-Bild, der zähe Teil

Für die Bilder liefert das Konzept Studio englische Prompts und schlägt das passende Tool vor. Das wichtigste Bild ist das Hero-Bild. Es definiert Design und Materialität des Produkts und dient allen weiteren Bildern als Referenz.

Das Hero-Bild war zäh bei dieser Idee. Fast zwei Stunden habe ich mit ChatGPT, Midjourney und Vizcom an diesem einen Bild gearbeitet. Resultate aus den Bild-Tools zurück ins Konzept Studio kopiert, besprochen, Prompts angepasst, Bilder neu generiert. Ich wollte, dass das Hero-Bild dem entspricht, was ich mir vorstelle. Erfahrung im Prompten hatte ich ja, aber es ist trotzdem immer wieder eine Herausforderung, wenn man eine sehr genaue Vorstellung im Kopf hat. Am Schluss hat eine weitere Handskizze stark geholfen. Als das Hero-Bild stand, gingen die weiteren Bilder plötzlich schnell, etwa 10 Minuten pro Bild, weil die Designvorlage da war.

Abbildung 3: Für das Hero-Bild lohnt es sich, etwas mehr Zeit zu investieren

Die kleine Spezifikation mit dem Energiekonzept hat mir das Konzept Studio übrigens selbst vorgeschlagen. Ich habe nur gesagt, dass ich die Strecke Luzern–Zürich als Beispiel nehmen möchte. Den Rest hat der Agent erledigt.

Die Bilanz

Alles zusammengezählt habe ich rund 8 bis 9 Stunden investiert, verteilt über mehrere Wochen. Das Interessante: Ein grosser Teil dieser Zeit floss nicht in den Lok-Buddy, sondern in den Agenten. Der Lok-Buddy war das Resultat. Der Agent war das Projekt.

Und genau das ist der Punkt: Diese Zeit ist nicht weg, sie steckt jetzt im Agenten. Beim nächsten Konzept ist der Agent schon geschult, die Skills sind da, die Beispiele sitzen. Ohne KI wären die Bilder weniger realistisch geworden, die Texte in einem technischen, langweiligen Deutsch geschrieben, und eine Webseite hätte ich in dieser Zeit sowieso nicht bauen können.

Eine Idee, die vorher nur in meinem Kopf und im Notizbuch existierte, ist jetzt etwas, das man teilen, zerlegen und diskutieren kann. Das ganze Resultat kannst du dir hier anschauen: Lok-Buddy Konzept.

Übrigens: Aktuell bin ich daran, einen solchen Agenten als Demo aufzubereiten, damit ihn alle ausprobieren können. Wenn du dabei sein willst, melde dich.

Im Notizbuch stehen noch mehr Ideen. Einige davon habe ich inzwischen mit dem Konzept Studio visualisiert. Eine andere habe ich weiterentwickelt, mit zwei neuen Agenten für Abklärungen zu Businessstrategien und Rechtslage. Davon erzähle ich im nächsten Beitrag.