Vibe CAD im Praxistest: Taugt der Fusion-Claude-Konnektor schon etwas?
Vibe Coding hat einen riesigen Hype ausgelöst, weil plötzlich jeder programmieren kann. Die naheliegende Frage für uns als Produktentwickler: Geht das auch beim Konstruieren, gibt es so etwas wie Vibe CAD? Seit kurzem lässt sich Claude über einen MCP-Konnektor direkt mit Autodesk Fusion verbinden. Wir haben getestet, was der Konnektor heute wirklich leistet, an einem realen Bauteil: einem MTB-Bremshebel.
Die Einrichtung
Das Aufsetzen ist unkompliziert. Ich habe mich an eine YouTube-Anleitung (bei Minute 2:06) gehalten und hatte die Verbindung nach rund 15 Minuten zum funktionieren gebracht. Man braucht die Claude-App, installiert den Konnektor, macht ein paar Einstellungen auf der Claude- und auf der Fusion-Seite, startet beide Programme neu, vergibt ein paar Berechtigungen und schaltet den Konnektor ein. Danach läuft es.
Was funktioniert
Die Basis sitzt. Claude kann eine neue Komponente anlegen, sie benennen und darin einfache Geometrie erzeugen. Ein Zylinder mit 200mm Durchmesser? Sofort da. Solange es um klar beschriebene Einzelkörper geht, ist das ein funktionierender Workflow.
Sobald aber Bedingungen dazukommen, wird es zäh. Eine Box, oben offen, mit Boden und definierter Wandstärke, und die KI überlegt lange, fragt zurück, welche Fläche der Boden sein soll, und liefert dann ein Ergebnis, das mal stimmt und mal nicht. Bei Baugruppen, bei denen einzelne Komponenten zueinander platziert werden müssen, ist ganz Schluss. Und Komponenten mit nicht ganz trivialer Form lassen sich schlicht nicht automatisch zeichnen.
Der Vergleich
Claude hat in etwas weniger als drei Stunden eine Konstruktion erstellt. Keine einzige Komponente ist brauchbar. Die Platzierung musste ich immer wieder von Hand vornehmen, und Claude hat die Teile danach jedes Mal zurück auf den Nullpunkt gesetzt. Unzählige Male hat die KI angefangen, Komponenten neu zu zeichnen, ohne Erfolg. Nuten auf der falschen Seite, Löcher nicht ganz durchs Material extrudiert, alles falsch platziert, Anweisungen nicht befolgt. Am Ende hatten wir rein gar nichts. Das einzig Brauchbare ist die Baugruppe mit den korrekt benannten Komponenten, und die bekommt ein unerfahrener Hobby-Konstrukteur genauso hin.
Der Aufwand dahinter ist beachtlich: Wir haben im Chat rund 70 Nachrichten hin und her geschickt. Ich musste etwa 20 Fragen beantworten, alles im Detail beschreiben und immer wieder Bilder liefern, weil Claude den tatsächlichen Stand im Modell nicht sah. Und ich hätte rund 6000 Wörter lesen sollen, die Claude geschrieben hat, nur um die KI überhaupt korrigieren zu können. Unglaublich viel Einsatz für am Ende kein brauchbares Resultat.
Zum Vergleich habe ich die Bremse selbst gezeichnet, in ungefähr derselben Zeit, gut drei Stunden. Die Teile sind richtig platziert und würden funktionieren. In den drei Stunden ist nicht nur Lenker, Griff, Schelle und Hebel entstanden, sondern auch die Mechanik, ein Kunststoffteil zur Führung, ein Platzhalter für den Hydraulikzylinder, ein Abschluss mit Einstellschrauben und eine Hydraulikleitung durch alle Komponenten hindurch. Eine solche Konstruktion ist mit dem Konnektor unmöglich. Noch.
Was in Ordnung ist
Ein Pluspunkt: Claude denkt bei den Dimensionen mit. Die KI weiss, wie lang ein typischer MTB-Griff ist und mit welchen Standards ein Lenker geklemmt wird. Nur nutze ich das lieber, indem ich Claude in einem eigenen Fenster offen habe und direkt nachfrage, wenn ich an den Punkt komme.
Unschön ist dagegen das ständige Eigenlob. Claude hat die Konstruktion immer wieder als gut, super oder sogar perfekt angepriesen. Wenn ich dann aufgezählt habe, was alles falsch ist, hat mir die KI jedes Mal zugestimmt und ebenso bestätigt, dass alles falsch sei. Ein verlässliches Urteil über die eigene Arbeit ist das nicht.
Ausblick: Wohin Vibe CAD geht
Die KI entwickelt sich derart rasant, dass man das weiter beobachten muss. Gut möglich, dass dieser Test in einem halben Jahr deutlich besser ausfällt und man in einem Jahr schneller ist als von Hand. Momentan ist Vibe CAD noch Spielerei und Träumerei. In Zukunft könnte es aber in dieselbe Richtung gehen wie Vibe Coding: Plötzlich kann jeder konstruieren.
Richtig interessant wird es, wenn die KI mitentscheidet, wie ein Teil hergestellt wird, und die Konstruktionsrichtlinien für das jeweilige Verfahren kennt. Dann liessen sich Spritzgussteile, Frästeile oder Blechteile erzeugen, ohne dass man selbst Erfahrung in genau diesem Verfahren mitbringt. Let’s see.
Getestet bei Neurad mit Claude und dem Autodesk-Fusion-MCP-Konnektor.
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