Ein Werkzeug ist nur so gut wie die Hand, die es führt (Teil 1/7)

Das gilt auch für das Visualisieren von Ideen mit KI-Tools. 

Während meiner Arbeit als Produktentwickler und Maschineningenieur beschäftige ich mich viel mit KI. Beim Erstellen von Bildern habe ich etwas gelernt, das ich seither in jedem KI-Projekt wiederfinde.

Die Lektion lautet:

Ein Werkzeug ist nur so gut wie die Hand, die es führt. Das gilt für den Bleistift, fürs CAD, und es gilt genauso für KI. 

Das erste Bild 

Ehrlich gesagt habe ich mich am Anfang gewehrt. Nicht gegen die KI im Allgemeinen, aber das Prompten und das ganze neue Vokabular, das rund um die KI entstand, hat mich eher abgeschreckt. Zum Glück hatte ich einen motivierten Mitarbeiter, der neue Tools liebt, und der für ein Projekt, an dem wir gemeinsam gearbeitet haben, Midjourney ausprobiert hat. Damals lief dieser Bildgenerator über Discord, einen Chat-Dienst, in dem man mit anderen Personen oder mit Chat-Bots schreiben kann. Einer dieser Chat-Bots hiess Midjourney.  
Wir entwickelten zu der Zeit eine Schiebetür und brauchten eine Abdeckung für einen Bewegungssensor. Als mein Mitarbeiter Janick mir dazu eine kleine Designstudie zeigte, die er mit Midjourney gemacht hatte, war ich so begeistert, dass ich das auch lernen wollte. 

Abbildung: Diese simple Designstudie hat mich extrem fasziniert.

Janick meinte, dass das nicht so schwierig sei: „Schau dir ein paar Tutorials an, log dich bei Discord ein, installier den Midjourney-Bot und leg los.“

Der Einstieg war tatsächlich ziemlich einfach. Gute Bilder zu machen dagegen nicht. 

Prompten will gelernt sein 

Meine ersten Versuche waren wild. Die KI machte irgendetwas, oft sah es sogar gut aus, aber es war selten das, was ich im Kopf hatte. 

Abbildung: Die ersten Versuche waren aus heutiger Sicht ziemlich übel, damals war das „Mindblowing“ 

Ich fing an zu lernen. Es gibt unzählige Tipps und Tutorials, wie ein guter Prompt aufgebaut ist, Anfang, Mitte, Schluss, wie lang er sein darf, welche Wörter das Modell wirklich versteht. 

Schnell merkte ich: Mein beschränktes aber doch vorhandenes Foto-Vokabular war Gold wert. Begriffe wie Blende, Brennweite oder Überbelichtung verstand Midjourney sofort. Auch das Wissen über Künstler, über Comic-Stile oder Formulierungen wie „industrial design“ und „photorealisticscene“ machten den Unterschied zwischen einem zufälligen Bild und genau dem Bild, das ich wollte. 

Um besser zu werden, habe ich geübt wie an einem Handwerk. Über Monate habe ich Fotos nachgestellt, also versucht, ein Bild, das vor mir lag, so präzise zu beschreiben, dass dasselbe Bild wieder herauskam. Nach und nach habe ich auch versucht, Bilder, die nur in meiner Vorstellung existieren zu generieren. Das ist gar nicht so einfach, weil man keine konkreten Details vor sich hat. 

Abbildung: Links ein Foto, rechts der Prompt. Die Lernkurve ist zum Glück ziemlich steil.

Von der Übung in die Projekte 

Irgendwann war Discord kein Spielzeug mehr, sondern Werkzeug. An der Hochschule und in Neurad-Projekten konnte ich damit Ideen visualisieren mit KI, realitätsnah und schnell. Aus einer groben Handskizze wurde ein Bild, das man jemandem zeigen kann. Und immer mehr Bilder entstanden direkt aus dem Kopf, aus einer Idee, die vorher nur in meiner Vorstellung existierte. 

Abbildung: Aus einer Skizze entsteht eine kleine Design-Studie

Was ich dabei gelernt habe 

Jeder kann sich heute hinsetzen und ein Bild von einer KI machen lassen. Und es wird gut, vielleicht sogar beeindruckend. Aber ist auch wirklich das darauf, was du wolltest? 

Genau da liegt der Punkt. Wenn du eine Idee so sichtbar machen willst, wie sie in deinem Kopf ist, brauchst du die Fähigkeit, das Werkzeug zu führen. Ideen visualisieren mit KI heisst nicht, einen Knopf zu drücken. Sonst macht die KI irgendetwas, das vielleicht schön ist, aber nicht deins. 
Übrigens: Am besten funktioniert das Generieren von KI-Visualisierungen, wenn man den Prompt mit Handskizzen und Bildern unterstützt. Eigene Ideen hat die KI nämlich nicht.

Mein Fazit: Die KI ist kein Wunder-Tool. Das Werkzeug ist nur so gut wie die Hand, die es führt. 

Diese eine Erkenntnis, so klein sie beim Bildermachen wirkte, hat mich später zu der Frage gebracht, wie man KI nicht nur für Bilder nutzt, sondern für die tägliche Arbeit in der Produktentwicklung.  
Ich habe vor, eine mehrteilige Story über das Anwenden von KI in der Produktentwicklung zu schreiben. Das war Teil 1. 

Wenn dich interessiert, was mit KI in der Produktentwicklung heute möglich ist, melde dich einfach bei mir.